Dienstag, 31. Oktober 2017

Die Sache mit der Freundschaft

Wenn Freundschaft zur Feindschaft wird
Achja, ich weiß nicht, wie es euch geht, aber einen echten, richtigen Freund zu finden und zu halten und zu verhindern, dass sich die Freundschaft verändert, ist gar nicht so leicht.

Ich habe, was das betrifft sehr viel durch gemacht. Ja, und sicher, war auch mein Verhalten nicht immer unschuldig daran. 
Als Teenager war ich das Mobbingopfer Nummer eins. Egal ob in der Schule oder privat. Daran war ich auch nicht 100% unschuldig. Denn nur durch meine Reaktion auf anfängliches ärgern und hänseln, hat mich überhaupt so angreifbar und zum leichten Opfer gemacht. Und genau in beiden Gebieten gab es jeweils nur einen Menschen, der sich mit mir abgegeben hat. Ja, abgeben ist da schon der richtig Ausdruck, weil ich mich manchmal fühlte, als würde ich geduldet werden, als wäre es ein Privileg, mit bestimmten Menschen "abhängen" zu dürfen. Als müsste nur eine Person einmal was sagen und würde verbannt werden.

Einen dieser Menschen habe ich unendlich bewundert und wollte immer so sein wie er. Und ich glaube, dass hat diesen Menschen fasziniert. Ich habe sehr viel auf dessen Meinung gegeben und mich verbogen, um ihm zu gefallen und um anderen zu gefallen, die diesen Menschen mochten, weil ich dachte, dann mögen sie auch mich. Wir hatten viele Dinge, die uns zusammengeschweißt haben, aber auch viele Turbulenten. Ich wurde älter, ich bekam meinen ersten Partner (meinem Mann) und hörte auf, diesen Menschen immer gefallen zu wollen. Denn ich fand auch Menschen, die mich so mochten, wie ich war. Allen voran mein jetziger Mann. Und ich lernte, damit zu leben, dass andere Menschen über einen reden und man nicht jeden gefallen kann. Natürlich kommt da noch viel mehr dazu. Zu Teenagerzeiten wurde ich manchmal wie Dreck behandelt und ich ging noch hin, und bettelte und flehte, dass wir Freunde bleiben. Später meldete sich dieser Mensch von sich aus kaum noch, musste er ja auch gar nicht, denn irgendwann tat ich es. Und wenn ich irgendwann mal ansprach, dass wir wenig Kontakt hatten, war ich der Depp. Das Ende war von meiner Seite echt bescheuert und ungünstig. Ich hätte einfach alles weiter laufen sollen und mich selbst zurücknehmen sollen. Stattdessen schrieb ich einen Abschiedsbrief. Und nach der Antwort hing ich mich rein, um mich zu erklären, damit ich richtig verstanden werde. Beides ein großer Fehler. Heute weiß ich es. Wir hatten danach nicht wirklich mehr Kontakt. Wobei einmal schon, aber da haben wir uns eher gegenseitig vorgehalten, was wir alles tolles in unserem Leben erreicht haben, aber zueinander gefunden haben wir nicht mehr. Wobei ich immer diejenige war, die wenn den Kontakt gesucht hat. Was ich mittlerweile nicht mehr tue.
Der andere Mensch, der sich mit mir damals "abgegeben" hat, war auf die Schule begrenzt. Andere Schüler sagten mir oft, wenn dieser Mensch nicht da war, dass er über mich lästert und mich vor anderen schlecht da stehen lassen würde oder mir andere "Freunde" madig machen würde. Ich hab diesem Menschen vor allem schulisch geholfen. Wir waren also in gewisser Weise von einander abhängig. Ich hab diesen Menschen nach der Schulzeit nicht mehr gesehen, wir hatten noch ein, zwei mal kurz Kontakt, aber mehr sporadisch. Das ist für mich mittlerweile alles sehr lang her.
Ich hab mich aber ihnen unterworfen und sie konnten letztlich mit mir machen, was sie wollten, ich hätte alles irgendwann verziehen. 

Ich lernte dann einen Menschen übers Internet kennen. Wir mochten die gleiche Musik und sind zusammen auf Konzerte gegangen. Leider habe ich da sehr geklammert. Ich war geschädigt, und hatte die Version der Superbestenfreundschaft. Heute weiß ich, was eine Freundschaft wirklich ausmacht. In einer Phase, in der sich bei mir im Leben sehr viel verändert hat (vor allem ein Leben mit meinem Mann aufzubauen), gingen unsere Wege sehr weit auseinander. Nach dem Bruch bin ich diesem Menschen sehr viel hinterher gerannt. Ich wollte irgendwie schlichten. Aber ich kann das heute verstehen, dass es zu viel war und wenn ich diesem Menschen Raum gelassen hätte, hätten wir vielleicht nochmal zueinander gefunden. Mittlerweile setze ich da nicht mehr drauf. 

Es gibt noch einen Menschen, den ich sehr lange kannte. Diesen Menschen lernte ich über einen Fan-Forum kennt. Wir haben uns persönlich nicht all zu oft gesehen bzw. Phasenweise sehr intensiv, aber im gesamten nicht oft. Das Problem ist, wenn man sich nicht wirklich oft sieht und gleichzeitig auch im Alltag wenig Kontakt hat, dass man sich eigentlich nicht (mehr) richtig kennt. Dann läuft diese "Freundschaft" einfach so weiter, aber tief in einem drin weiß man, dass es schon lange keine Freundschaft mehr ist. Denn klar merkt man hier und da, dass irgendwas anders ist. Aber da es einfach so passt, wie es ist, sagt man nichts und lässt es so weiter laufen. Und dann kommt das Ende auch irgendwie nicht so überraschend. 

Die ganze Zeit hat mich ein Mensch begleitet. Diesen lernte ich auch über ein Fan-Forum kennen, wir hatten lange nur wenig Kontakt, haben uns erst 4 Jahre nach unserem kennenlernen getroffen, aber danach wurde es intensiver. Mittlerweile haben wir das erschaffen, was man eine beste Freundschaft nennen kann. Es ist das erste Mal so, dass es sich richtig anfühlt. Mit Respekt und Verständnis, nicht zu viele Anforderungen und gegenseitige Unterstützung.

Ich habe zwei Macken: Ich denke, wenn ich meinem Gegenüber nur wirklich deutlich und genau erkläre, wie ich etwas meine, dass ich dann richtig verstanden werde. Okay, es ist nicht mehr so schlimm wie früher, aber ganz abstellen kann ich es nicht. Dabei wollen mich Andere manchmal einfach nicht verstehen. Sie haben ihre Wahrheit und können das gar nicht annehmen. Stattdessen lasse ich mich demütigen und für alles beschuldigen. Dabei gehören immer zwei dazu. Wenn man sich streitet, benehmen sich beide nicht korrekt oder beschissen, sonst würde man sich nicht streiten. Aber andere lassen ihr Fehlverhalten gerne unter den Tisch fallen. 
Meine zweite Macke ist, dass ich große Probleme mit Abschieden und Veränderungen habe. Natürlich kommt es immer darauf an, aber grade wenn es aus einem Streit heraus passiert oder ich an dem, was ich verabschieden muss, hänge, fällt mir das sehr schwer. Wer meinen Beitrag über meine Zeit in der Psychiatrie gelesen hat, der weiß, dass ich sogar nach den 6 Wochen dort am letzen Tag geweint habe. Mein Therapeut hatte es damals richtig erkannt, denn er sagte: "Das ist jetzt genau ihr Thema. Abschied und Veränderungen."
Warum ich das alles erzähle? Weil eine dieser Freundschaft grade frisch kaputt gegangen ist. Ich hatte Jahre lang ruhe und bin darüber fast erschrocken, dass Andere immer noch so mit mir umgehen können wie früher. Und das bringt mich zum nachdenken. 

Z.B. wenn man Filme oder Serien sieht. Klar gibts da Streits, aber die Leute finden immer wieder zusammen. Und haben andere Personen, die daran interessiert sind, dass sie wieder zueinander finden. Und überhaupt kennen die Menschen da immer sehr viele andere Menschen. Zum anschauen ist das ganz nett, aber ich weiß nicht, wies euch geht, aber es deprimiert einen schon, wenn man das selbst im Leben so nicht hat. 

Ich habe aber auch eine große Entwicklung durchgemacht. Lange Zeit hatte ich die Vorstellung, wenn ich mich mit jemanden mal gut verstehe oder irgendwie mal eine Gemeinsamkeit habe, dass das dann auch automatisch eine beste Freundschaft ist. Dass es auch Bekanntschaften gibt und diese mal intensiver oder weniger intensiv sein können und auch Freundschaften Freundschaften sind, auch wenn es nicht die allerbestesuper Freundschaft ist, musste ich erst lernen. Auch dass sich intensive Freundschaften manchmal nur auf eine Zeit bezieht, in der man etwas gemeinsames macht, wie z.B. Schule oder einen Job, und danach das ganze abschwächt, aber man deswegen nicht verfeindet, musste ich erst lernen. 

Als Mutter habe ich da natürlich auch in diesem Bereich Erfahrungen gemacht. Wer selbst Mutter oder Vater ist, der weiß, dass Freundschaften damit zerbrechen. Es liegt nicht ausschließlich an uns, den Eltern. Ja, unser Leben verändert sich. So ist das nun mal. Es liegt auch den anderen, die für uns kein Verständnis aufbringen können. Hätten sie Verständnis, würde die Freundschaft nicht zerbrechen. 

Mich würde sehr interessieren, was ihr so für Erfahrungen gemacht habt. Kommentiert mit euren Geschichten rund um das Thema Freundschaft. Gute wie Schlechte. Wenn ihr diese Anonym posten wollt, dann schickt sie mir und ich werde sie demnächst in einen gesonderten Beitrag ohne Namen posten. Ich möchte, dass jeder, der an sich zweifelt, weil Freundschaften nie halten oder immer im Streit enden, sehen, dass es auch anderen so geht und dass man nicht alleine dafür die Schuld trägt. Und vielleicht kann jeder etwas aus den vielen Geschichten für sich ziehen. 

Namaste, 
eure Franzi

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